NDR Kultur: CD-Neuheiten

Sendung vom 03.05.2015 mit Markus Stäbler

„…Beginnen möchte ich jedoch mit Kammermusik von Franz Schubert. In der Movimentos Edition, eine CD-Reihe des Movimentos-Festivals in Wolfsburg, ist eine Aufnahme des Klenke Quartetts erschienen. Darauf spielt das Ensemble u.a. Schuberts „Rosamunde-Quartett“. Vom ersten Ton an verströmt das Stück ein Klima nostalgischer Schwermut.“

Musik: 1.Satz (bis Wiederholung Exposition)

„Der Beginn des „Rosamunde-Quartetts“ von Franz Schubert gespielt vom Klenke Quartett. Die vier Streicherinnen kennen sich schon seit den ersten gemeinsamen Kammermusikkursen an der Musikhochschule in Weimar zu Beginn der 90er. Im vergangenen Jahr feierten sie bereits ihr 20-jähriges Bestehen als professionelles Ensemble. Diese langjährige Erfahrung zahlt sich aus. Auf der neuen Schubert-Aufnahme demonstrieren die Klenkes einmal mehr ihr blindes Verständnis, sie intonieren absolut sicher, sie lassen die Phrasen zusammen atmen und erblühen und sie spüren den Ausdrucksschattierungen der Werke gemeinsam nach. Der intime Rahmen der Kammermusik gibt den Interpreten ja besonders viel Raum für Nuancen. Den nutzen die Mitglieder des Klenke Quartetts aus mit einem sehr differenzierten Spektrum an Farben und Charakteren. Der c-moll-Quartettsatz von Schubert etwa lebt vom Spannungsverhältnis zweier kontrastierender Stimmungen. Das Zittern der Tremoli, das den ganzen Satz über immer wieder aufflackert, zeugt einerseits von nervöser Erregung. Auf der anderen Seite singt eine Melodie der Geige von himmlischer Idylle. Diese beiden Ebenen hat das Klenke Quartett sehr schön voneinander abgesetzt, ohne dabei die Einheit der Musik zu zerstören.“

Musik: Quartettsatz (bis Wiederholung Exposition)

„Eine Musik zwischen Dramatik und süßem Säuseln: Schuberts Quartettsatz c-moll mit dem Klenke Quartett. Neben dem Quartettsatz von 1820 und dem späteren „Rosamunde-Quartett“ enthält die CD auch ein frühes Werk des Komponisten: das Quartett C-Dur, das er bereits mit 16 Jahren schrieb. Obwohl Schubert also noch ganz schön jung war, klingt das Stück so gar nicht nach der kompositorischen Hausarbeit eines Pubertierenden. Hier im C-Dur-Quartett ist bereits erstaunlich viel echter Schubert zu hören. In den aufgewühlten Unisono-Gesten im ersten Satz zum Beispiel, aber auch im anschließenden Andante con moto. Dort schrieb der 16-Jährige eine jener wunderbaren lyrischen Melodien, die auch seine reifen Werke prägen sollten. In den Begleitstimmen deutet sich dabei bereits Schuberts Vorliebe für raffinierte harmonische Farbwechsel an. Das Klenke Quartett spielt den Satz mit schlankem Ton und deutlich weniger Vibrato als viele andere Ensembles. Dadurch offenbart die Interpretation die anrührende Schlichtheit der Musik.“

Musik: Andante con moto (ganz)

„Das war das Klenke Quartett mit dem Andante con moto aus dem C-Dur-Quartett von Franz Schubert. Ein Ausschnitt aus der Aufnahme des Labels Genuin. Sie ist in der Movimentos Edition erschienen. Bei den Movimentos-Festwochen sind die Klenkes auch in der kommenden Woche live zu erleben. In der Michaeliskirche in Wolfsburg spielen sie am 7. Mai Werke von Glaser, Navok und Goldmark.“

Markus Stäbler

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