Großes Interesse an Max Regers Musik in Weimar
Thüringer Landeszeitung
Weimar. Kein Zweifel: Schon im Vorfeld des 100. Todestages am 11. Mai erwacht das Interesse an Max Reger. Die Zeit scheint über ihn hinweggegangen zu sein, über den Meister, der die Bachsche Polyphonie in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg trug.
Wie ein Kontrastprogramm subtiler Empfindung erscheint dagegen sein letztes, der Kammermusik verpflichtetes Werk, das Klarinetten-Quartett A-Dur op. 146, das das Klenke-Quartett am Vorabend von Regers Geburtstag am vergangenen Freitag im Fürstenhaus zur Aufführung brachte. Der Hörer begegnet einem beseelt bis verhalten schwärmerischen Musizierstück lyrischer Prägung, das einerseits wie das Wägen intimer Gedanken anmutet, dabei aber in reizvollen Harmonien erwartungsvollen Stillstand zelebriert und andererseits vor humorigem Hintergrund mit musikantischer Laune aufwartet, den Variationen des Schlusssatzes sogar mozartsche Heiterkeit verleiht. Annegret Klenke (Viol. I), Beate Hartmann (Viol. II), Yvonne Uhlemann (Viola) und Ruth Kaltenhäuser (Violoncello) hatten damit eine neue Bewährungsprobe gewählt. Sie verstanden es, diese eher als zusammenhanglos empfundene Musik zu einen, sie aus musikantischem Impuls heraus mit ungeahnten Nuancen feinsinnigen Ausdrucks zu beleben und ihrem hellhörig abgestimmten Spiel erneut zu ungeteilter Aufmerksamkeit zu verhelfen. Dass sie dabei sehr zurückhaltend dem Klarinettisten Alexander Bader, seinem makellos strömendem Ton und dem intensiv ausgeformten Espressivo-Gesang die Dominanz überließen und so den Eindruck eines Solokonzertes mit Begleitung erzeugten, sei lediglich als Fußnote angemerkt. Das Streichquartett Nr. 1 a-Moll von Robert Schumann erfassten die vier Damen als Inbegriff der Devise „Frisch-Fromm-Fröhlich-Frei“ der Jungdeutschen im Vormärz. Als habe das Werk die Erdenhaftung aufgegeben, bestätigte es mit tändelnder Melodik, burlesker Beharrlichkeit und tänzerischer Gelöstheit die romantischen Fantasien seines Schöpfers – Schumann, wie er leibt und lebt.